Cholmer Land    -        Torf, Sand, Wälder, Holzhäuser, Windmühlen ....  
                                                                        

                                                                                                                                                                                                                      

      Das Cholmer Land - zwischen Wieprz im Westen und Bug im Osten

 

   geographische Lage

Die folgende Karte zeigt die Lage des Siedlungsgebietes Cholmer Land innerhalb Polens sowie die wesentlichen Herkunftsgebiete der Siedler. Es grenzt im Osten an die Ukraine (Wolhynien) und an Weißrussland. Der Fluss "Bug" ist hier zugleich Landesgrenze zu beiden Ländern. Das Gebiet, rund 32.000 Quadratkilometer Fläche, umfasst im wesentlichen die heutige Wojwodschaft Lublin, im Südosten von Polen gelegen.

Die Wojwodschaft Lublin ist heute in 20 Landkreise (= Powiat) unterteilt, mit vier kreisfreien Städten. Durch die Verwaltungsreform im Jahre 1999 wurden die Wojwodschaften neu gegliedert.

Der Name Cholmer Land wurde von der ukrainischen Bezeichnung CHOLM für die Stadt Chelm abgeleitet und wird in deutschen Texten und Unterlagen bevorzugt.

Lage des Cholmer Landes innerhalb Polens mit Hinweis auf Herkunftsgebietes

 

 Ein Paradies ist es nicht, in der "Illustrierten Wochenschrift"  von 1867 Nr. 425 schrieb der polnische Schriftsteller Kunicki über das nördliche Cholmer Land: " Traurig und eintönig sind die hiesigen Gegenden, Sand, Sümpfe, dunkle Tannenwälder ..."   

 "... daß zum Beispiel im nördlichen Teil des Cholmer Landes mindestens 40, in zahlreichen Einzelfällen 80 Prozent der von den Deutschen besiedelten Flächen sumpfigen Charakter besaßen, reiner Sumpf oder sandiger Boden waren ..."  [Kurt Lück, Die Siedlungen im Cholmer und Lubliner Land, S. 55 ]  

Karte Cholmerland mit Fotos: Kirche in Kamien und Cycow sowie Haus Witkowski in Kulczyn

 

Im Sommer 2004 konnte ich freundlicherweise bei einer polnischen Familie in Sawin über- nachten und wurde sehr gastfreundlich aufgenommen. Durch ihre Unterstützung war ich in der Lage, mir mehr anzusehen als bei meinem ersten Besuch 1990. Ich empfand es als eine wild romantische Gegend, die einen herben Charme hat. Die Umwelt ist noch weitgehend unberührt und an vielen Plätzen findet man eine herrliche Stille... keine Autobahn im Hintergrund, keine ohrenbetäubenden Tiefflieger und keine qualmenden Industrieanlagen. Ein landwirtschaftlich geprägter Landstrich, wobei der Boden nicht sonderlich gute Erträge verspricht. Es wird von Ort zu Ort etwas unterschiedlich sein. So ist zum Beispiel der Boden in Wojciechow sandiger und es gab mehr Moorflächen als in Kulczyn. Es sind Nachbarorte die im Süden des Kreises Wlodawa liegen. Auf der Strecke zwischen Sawin und Wlodawa sind noch ausgedehnte Waldgebiete vorhanden und ein schöner See, der zum Baden, Surfen und Segeln einlädt.    

Jezioro Biale (Weißer See), bei Okuninka südlich von Wlodawa ~ Aufnahme: Semmler/Jeske 2004

 

Ein Teil der Fläche des Cholmer Landes ist seit 1990 National Park. "Poleski Park Narodowy",  ein  Gebiet nordwestlich von Urzulin und südlich von Wojciechow mit 9762 Hektar. 

 

◙  ein geschichtlicher Überblick

  • Das Cholmer Land war von den ersten beiden Teilungen nicht betroffen und gehörte zu        dieser Zeit zu Polen.
  • Bei der 3. Teilung Polens 1795 besetzte Österreich Zentralpolen und damit auch das Cholmer Land.
  • Ab 1809 gehörte es zum Herzogtum Warschau.
  • Nach dem Wiener Kongreß 1815 fiel ein großer Teil Polens als autonomer Teil an Russland und erhielt die Bezeichnung Königreich Polen, auch Kongreßpolen genannt. Das Cholmer Land gehörte dazu und war bis zum 1. Weltkrieg unter russischer Oberherrschaft.
  • Im Jahre 1864 hob der Zar Alexander II. in Kongreßpolen (im übrigen Russland schon 1861) die Leibeigenschaft auf. Dies war sozusagen das Signal für die deutschen Siedler, ins Cholmer Land zu strömen. Kurt Lück nennt für das Jahr 1833 eine Anzahl von 717 Siedlern und für das Jahr 1868 bereits eine von 6.224 [Kurt Lück a.a.O., S.2 ].
  • Anfang Juli 1915, fast ein Jahr nach Ausbruch des 1. Weltkrieges, wurden die deutschen Siedler, obwohl sie inzwischen russische Staatsbürger waren, ins Innere Russland deportiert. Viele starben schon auf der Hinreise oder am Ankunftsort an Cholera oder Typhus, ebenso auf der Rückreise. Sie wurden in die Gebiete von Saratow an der Wolga, nach Ufa, Troizk, Orenburg, Samara und Kustanai sowie in weitere Orte Sibiriens gebracht. Die Behörden forderten die  Menschen auf, sich Arbeit und Unterkunft zu suchen. Die Männer im sogenannten wehrfähigen Alter wurden zur russischen Armee eingezogen und zum großen Teil an der türkischen Front im Kaukasus eingesetzt. Im Kirchenbuch Cycow sah ich unter anderem den Sterbeeintrag von Ludwig Hein, *1899 in Garbatowka bei Cycow + 24.4.1917 in Erzurum in der Türkei.
  • Am 3. März 1918 wurde der Friedensvertrag zwischen Deutschland, Österreich/Ungarn, Türkei, Bulgarien und Sowjetrußland in Brest-Litowsk unterzeichnet. Damit war der Weg frei für eine Rückkehr ins Cholmer Land. Die meisten Siedler kehrten 1918 zurück, einige jedoch erst 1922, wie Kantor Kitlitz aus Cycow, Kreis Chelm. Sein Erlebnisbericht von der Deportation, der etliche Seiten umfasst, liegt mir vor. Nach ihrer Heimkehr sahen sie die vielen zerstörten Gebäude und verwüsteten Grundstücke. Der Generalgouverneur von Warschau, Hans von Beseler, drückte es so aus: " Ein großer Prozentsatz von Ihnen findet nichts weiter als eine elende Brandstätte und einen verwüsteten und verunkrauteten Acker vor, dort, wo einst ein schön gepflegtes Bauerngut bestand". [Adolf Eichler, Das Deutschtum in Kongreßpolen, S. 142 ]
  • Am 11. November 1918, am gleichen Tage als Deutschland und Frankreich einen Waffen- stillstand vereinbarten, erklärte Polen seine Unabhängigkeit. Es entstand die Republik Polen, mit Pilsudski als Staatsoberhaupt. Danach erhielten alle Siedler die polnische Staatsangehörigkeit. Wer dies nicht wollte, zog ins "Reich" oder wanderte nach Übersee aus. Wobei in dem einen oder anderen Fall die schlechte wirtschaftliche Situation vor Ort auch eine Rolle für den Wegzug spielte.
  • Am 1. September 1939 marschierten deutsche Truppen in Polen ein. Das Dorf Kulczyn im Kreis Wlodawa erreichten sie am 18. September 1939. Zuvor waren schon russische Truppen durch den Ort gezogen, wie mir mehrere Zeitzeugen berichteten.
Zitat aus "Der Heimatbote" Kiel-Holtenau 1965

 

  • Im Herbst 1940 mussten die deutschen Siedler das Cholmer Land verlassen. Durch die Aktion "Heim ins Reich" wurden rund 32.000 Menschen in den Warthegau umgesiedelt. Ihnen wurden Höfe zugewiesen, in denen oft wenige Stunden zuvor noch polnische Bauern lebten. Beide, sowohl die deutschen Siedler als auch die Polen, hatten keine Wahl und mussten gehen. Die deutschen Siedler waren verpflichtet sich zu melden und registrieren zu lassen. Wer keinen Antrag auf Einbürgerung stellte, blieb polnischer Staatsbürger und war damit der Willkür der deutschen Besatzungsbehörden ausgeliefert. In den damaligen Zeitungen konnte man von einem Tausch - Polen aus dem Warthegau ins Cholmerland und Deutsche in den Warthegau - lesen. So in der National-Zeitung Essen vom 15.9.1940, der Warschauer Zeitung vom 7.8.1940 und in "Neues Bauerntum" Heft 9 vom September 1940. Mit der Frage, in welchem Umfang tatsächlich ein Tausch stattfand, habe ich mich nicht befasst.
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